Microsoft lebt zu einem großen Teil, oder auch zum größten Teil, durch den Verkauf seiner Windows Betriebssysteme. Das Lizensierungsmodell für die Betriebssysteme wurden zu einer Zeit entwickelt zu der Virtualisierung noch eine Nieschenlösung war und Windows Server noch auf physikalische Hardware installiert wurde - soll übrigens heutzutage auch noch vorkommen! ;) Aus diesem Grund sind Windows Server Lizenzen auf eine physikalische Hardware gebunden, auch wenn Sie virtuell genutzt werden.
Mit dem Kauf einer Windows Server Lizenz erhält man immer eine Lizenz zur Installation des Betriebssystems auf eine physikalische oder virtuelle Hardware. Weiterhin gibt es Editionen (Enterprise, Datacenter) die es auch erlauben mehr als eine virtuelle Maschine mit dem Betriebssystem zu bestücken.
- Window Server 2008 Standard beinhaltet eine physikalische und eine virtuelle Lizenz
- Windows Server 2008 Enterprise beinhaltet eine physikalische und vier virtuelle Lizenzen
- Windows Server 2008 Datacenter beinhaltet eine physikalische und unlimitierte virtuelle Lizenzen
Nutze ich nun eine andere Virtualisierungslösung wie z.B. VMware vSphere oder Citrix XenServer, darf ich, wenn ich wieder die Windows Server 2008 Enterprise Edition habe, auch hier vier virtuelle Windows Server betreiben, aber nicht fünf - warum? Die erste Lizenz, welche für die physikalische Hardware bestimmt ist, darf auch nur auf physikalischer Hardware installiert werden. Da hier aber nun ESX oder XenServer auf der Physik läuft, fällt diese Lizenz weg.
Möchte ich nun mehr als vier virtuelle Windows Server Instanzen betreiben, muss ich natürlich weitere Lizenzen, entsprechend der Anzahl der zusätzlichen virtuellen Maschinen, kaufen.
Diese Lizensierung bezieht sich momentan nur auf ein physikalische System, welches eine entsprechende Anzahl von virtuellen Maschinen betreibt. Was passiert nun aber wenn ich Features wie VMotion (XenMotion, Live Migration) oder High Availibility (automatischer Neustart einer virtuellen Maschine bei Ausfall eines Hostsystems) nutzen möchte?
In diesem Fall muss ich für die virtuellen Maschinen, welche diese Features nutzen sollen, die Lizenz mehrfach vorhalten! Möchte ich also 10 virtuellen Maschinen ermöglichen via Live Migration auf einen weiteren Virtualisierungsserver (ESX, Hyper-V oder XenServer) umzuziehen, brauche ich auf beiden Virtualisierungsservern (Quelle- und Ziel) jeweils 10 Lizenzen. Habe ich also z.B. 10 Hostsysteme, möchte diese in einem Clusterverbund betreiben und möchte auf jedem Hostsystem 10 virtuelle Maschinen mit Windows betreiben, so brauche ich im Endeffekt 100 Windows Server Lizenzen.
Hier auch nochmal das Rechenbeispiel zu dem anfänglich genannten Blogeintrag:
In einem VMware Cluster mit 10 physikalischen Hosts benötigen wir PRO WINDOWS VM 10 Windows OS Lizenzen, da sich die Windows Workload durch vMotion auf jedem der physikalischen Hosts befinden kann. Fahren beispielsweise 200 Windows VMs in einem 10-Node VMware Cluster, so müssen 2000 Windows Lizenzen bereitgestellt werden, um den vertraglichen Bindungen gerecht zu werden.Dies ist ein realer Fakt und muss beachtet werden! Grund hierfür ist, wie bereits erwähnt, das Windows Server Lizenzen auf physikalische Hardware gebunden sind.
Nichtsdestotrotz hat man durch die oben genannten Lizensierungsmöglichkeiten (Enterprise, Datacenter) gewisse Einsparungspotentiale, die ich nun in einem kleinen Rechenexample aufzeigen werden. Ich werde hierbei nur die Kosten der Windows Lizenzen und nicht die Kosten der Virtualisierungslösung selbst betrachten.
Von folgenden Preisen gehe ich bei meinen Berechnungen aus:
- Windows Server 2008 Standard kostet pro Server (1-4 CPUs) 719$
- Windows Server 2008 Enterprise Edition kostet pro Server (1-8 CPUs) 2334$
- Windows Server 2008 Datacenter Edition kostet pro CPU-Socket 2381$
Bei einer Windows Server 2008 Standard-Lizensierung würde man das ganze wie folgt berechnet:
(10 Hostsysteme x 200 Windows VMs) x 719$ = 1 438 000$
Bei einer Windows Server 2008 Enterprise-Lizensierung würde die Formel wie folgt aussehen:
(10 Hostsysteme x (200 Windows VMs / 4)) x 2334$ = 1 167 000$
Hierbei werden die VMs durch 4 geteilt, da ja eine Enterprise-Lizenz vier virtueller Lizenzen beinhaltet.
Bei einer Windows Server 2008 Datacenter-Lizensierung fällt das Rechenexample wie folgt aus:
(10 Hostsysteme x 2 CPU Sockets) * 2381$ = 47620$
Da hier die Lizensierung auf CPU-Socket-Basis passiert und anschließen eine unlimitierte Anzahl von virtuelle Maschinen auf einer Physik betrieben werden kann, fällt die Anzahl der virtuellen Maschinen bei der Berechnung nicht ins Gewicht.
Man sieht recht schnell, dass sich in einem Virtualisierungsumfeld der Einsatz der zunächst teurer wirkenden Datacenter-Lizenzen auf alle Fälle lohnt. Natürlich kann die Rechnung in einem kleineren Umfeld (2 Host-Systeme und eine handvoll VMs) auch nicht aufgehen und die Lizensierung auf Basis von Standard-Lizenzen günstiger sein.
Microsoft bietet auch hier zwei nette Windows Server Virtualization Calculators, welche bei der Bestimmung der besten Lizensierung hilfreich sind.
Wer sich das ganze im Detail anschauen möchte, den verweise ich gerne auf folgende Dokumente von Microsoft:
Ich hoffe damit die Lizensierung von Microsoft Windows Server 2008 in virtuellen Umgebungen etwas klarer gemacht zu haben.
Da freut sich der Mensch, dass dem anonymen User bei der CEMA Gehör geschenkt wird. :-) Super Beitrag, sehr gründlich recherchiert und anschaulich dargestellt!
AntwortenLöschenNett von Microsoft, dass sie ihr Lizenzmodell für Server 2008 wenigstens etwas an den Stand der Technik angepasst haben. Was ich mich nun noch frage ist, ob diese neuen Modelle auch auf die Editionen des Servers 2003 Anwendung finden. Ohne nachgeschlagen zu haben, vermute ich eher, dass dies nicht der Fall ist.
Die Investition in Server 2008 (Migrationen, Standardisierung) scheint allein in Hinblick auf Lizenzkosten äußerst lohnenswert.
Aus meiner Sicht hat man mit jeder Windows Server 2008 Lizenz auch das Recht Windows Server 2003 zu nutzen, also einen Downgrade zu fahren.
AntwortenLöschenSo interpretiere ich zumindest das folgende Dokument:
http://download.microsoft.com/download/E/E/C/EECF5D44-9A88-43D8-AFDB-D2AB82BE035C/Win%20Server%20Lic%20Book%20customer%20hi-res.pdf
Ich würde es aber im Zweifelsfall nochmal mit dem verantwortlichen Microsoft-Ansprechpartner klären.
Viele Grüße
Tim Arenz
'Nische' schreibt man mit einem 'e'!
AntwortenLöschenEin super hilfreicher Artikel, da hst du mir einen guten Einblick ind die Lizensierungsgeschichte gegeben.
AntwortenLöschenUnd geschreiben ist er auch noch gut. ;)
Hallo diese Aussagen stimmen so nicht; nicht mehr: Im Blog von Ward Ralston von MS wird dies anderes dargestellt. http://blogs.technet.com/windowsserver/archive/2005/10/10/412280.aspx
AntwortenLöschenEntscheidende Aussage darin "You can move active instances of a virtual instance from one computer to another without limitation."
super, das ist die beste Beschreibung zum Lizenmodel von MS in VMs, die ich bisher gelesen habe!
AntwortenLöschen@Anonym from 5. Mai 2010 20:37
AntwortenLöschenDiese Ausage trifft auf VMs zu, die nicht ausgeführt werden!!! Außerdem ist der genannte Beitrag aus 2005!
Werd en Beitrag weiter liest, findet folgendes:
"This will allow, for example, a virtual image that is stored on a SAN to be deployed to any server with available resources and licenses."
Greetz